Deutschlands „smartestes Dorf“

Das kleine Dorf Etteln (Gemeinde Borchen, NRW) gilt inzwischen als eines der digital fortschrittlichsten Beispiele Deutschlands – und wurde sogar im internationalen Smart-City-Wettbewerb der IEEE zur „intelligentesten Stadt der Welt“ gekürt. Die Auszeichnung setzte sich gegen Metropolen wie Hongkong oder Tokio durch und würdigt vor allem den konsequent gemeinschaftlich getragenen Digitalisierungsansatz des Ortes. 

Ausgangspunkt der Entwicklung war ein typisches Problem ländlicher Regionen: Demografischer Wandel und drohende Infrastrukturverluste, etwa die Schließung der Grundschule. Die Bürgerinnen und Bürger reagierten darauf nicht passiv, sondern organisierten sich früh in Initiativen wie „Etteln aktiv“ und bauten später gemeinsam eine umfassende digitale Infrastruktur auf. 

Zentraler Baustein ist der flächendeckende Glasfaserausbau in Eigenleistung: Als einzelne Haushalte beim regulären Ausbau außen vor geblieben wären, packten rund 65 Einwohner selbst mit an. In mehreren Tausend Arbeitsstunden verlegten sie Leitungen bis in die entlegensten Höfe – mit dem Ergebnis einer vollständigen Breitbandversorgung im gesamten Ort. 

Darauf aufbauend entstand ein ganzes Ökosystem digitaler Anwendungen: Eine Dorf-App dient als zentraler Kommunikationskanal für Nachrichten, Termine und Kleinanzeigen, während Mitfahrbänke, ein kommunal betriebenes E-Carsharing-Fahrzeug und öffentliche Terminals auch Menschen ohne Smartphone einbezogen werden. Ziel ist eine digitale Teilhabe für alle Generationen. 

Besonders innovativ ist der Aufbau eines digitalen Zwillings des Dorfes („3D-Dorf“). Sensoren liefern in Echtzeit Daten zu Wetter, Verkehr, Umwelt und Infrastrukturzuständen, die in einer digitalen Plattform zusammenlaufen. So lassen sich etwa Verkehrsströme analysieren oder Hochwasserrisiken für neue Baugebiete simulieren, bevor gebaut wird. 

Darüber hinaus plant Etteln mit einem kommunalen Datenraum die nächste Entwicklungsstufe: Verschiedene Datenquellen – von Mobilität bis Energie – sollen sicher verknüpft werden, um neue Anwendungen wie intelligentes Energiemanagement oder bessere Bürgerdienste zu ermöglichen, bei gleichzeitig hoher Datensouveränität der Kommune. 

Die Servicezeit des WDR zeigt dabei vor allem die praktische Seite: Digitalisierung bedeutet in Etteln nicht Distanz, sondern neue Formen der Gemeinschaft. Digitale Tools ergänzen das soziale Leben, ersetzen es aber nicht – persönliche Treffen und ehrenamtliches Engagement bleiben zentral.

Insgesamt gilt Etteln heute als Modellfall dafür, wie ein kleines Dorf durch Bürgerbeteiligung, offene Plattformen und konsequente Digitalisierung strukturelle Nachteile ländlicher Räume nicht nur ausgleichen, sondern in Chancen verwandeln kann.

Quellen:
https://kommunal.de/etteln-plant-ersten-kommunalen-datenraum
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/servicezeit/etteln-clevere-doerfer-clip-servicezeit-100.html
https://www.focus.de/perspektiven/constructive-world-award/etteln-in-der-gemeinde-borchen-ist-die-smarteste-stadt-in-deutschland-weil-am-besten-digitalisiert_cc162a30-3fe3-4764-9f8f-f7902edc436d.html

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