Radverkehr der Zukunft planen

Wiesbaden will genauer verstehen, wie Menschen das Fahrrad im Alltag nutzen – und setzt dabei auf Daten. Mit dem Projekt „Brückenschlag Mainz-Wiesbaden“ werden 2026 erstmals die Fahrradbewegungen über drei wichtige Rheinquerungen systematisch erfasst: die Theodor-Heuss-Brücke, die Kaiserbrücke und die Schiersteiner Brücke. Ziel ist es, ein besseres Bild vom Radverkehr zwischen Wiesbaden und Mainz zu bekommen und daraus konkrete Maßnahmen für die Verkehrswende abzuleiten. 

Die Zählungen starten im Rahmen des Stadtradelns 2026 und laufen zunächst als vierwöchige Testphase. Dabei kommen sowohl App-basierte Daten als auch fest installierte Messgeräte zum Einsatz. Jede Überquerung der Rheinbrücken fließt in die Auswertung ein. Ergänzt wird die Aktion durch die spätere „Brückenschlag-Challenge“, sodass weitere Daten gesammelt werden können. Die Ergebnisse sollen in das öffentliche Fahrrad-Dashboard der Stadt einfließen und unter anderem die Planung einer möglichen Radschnellverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden unterstützen. 

Das Projekt zeigt, wie sich moderne Stadtplanung verändert: Statt Radwege nur nach Annahmen oder Einzelbeobachtungen auszubauen, entstehen Entscheidungen zunehmend auf Basis von Echtzeit- und Bewegungsdaten. Wiesbaden bündelt diese Informationen bereits in der „Datenwelt: Fahrradnutzung in Wiesbaden“. Dort werden verschiedene Quellen wie Zählsensoren und Mobilitätsstatistiken zusammengeführt und öffentlich sichtbar gemacht. Bürgerinnen und Bürger können nachvollziehen, wie sich der Radverkehr entwickelt und welche Strecken besonders genutzt werden. 

Für eine Smart City sind solche Daten besonders wertvoll. Sie können helfen, Verkehrsflüsse besser zu verstehen, Infrastruktur gezielter zu planen und Maßnahmen wie optimierte Radwegeführungen oder eine bessere Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel zu entwickeln. Perspektivisch lassen sich Fahrraddaten auch mit anderen Informationen wie Pkw-Verkehr oder Umweltwerten kombinieren, um Zusammenhänge sichtbar zu machen. 

Wiesbaden sammelt bereits weitere Erfahrungen mit datenbasiertem Radverkehr. Beim Projekt „Sensor Bike“ wurden 2025 gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Fahrraddaten mithilfe selbstgebauter Sensoren gesammelt. Die Sensoren erfassten unter anderem Streckenqualität, Untergrund und Hinweise darauf, ob der vorgeschriebene Sicherheitsabstand beim Überholen durch Fahrzeuge eingehalten wurde. Die gesammelten Daten wurden anschließend in Karten visualisiert. 

Ähnliche Ansätze gibt es auch in anderen Städten: Immer mehr Kommunen nutzen automatische Fahrradzählstellen, GPS-Daten oder sogenannte Citizen-Science-Projekte, um ihre Verkehrsplanung zu verbessern. Besonders interessant ist dabei die Kombination aus stationären Messpunkten und freiwillig erhobenen Alltagsdaten. Während Zählstellen zeigen, wie viele Fahrräder an einem bestimmten Ort vorbeikommen, können Bewegungsdaten zeigen, welche Routen tatsächlich genutzt werden und wo Hindernisse oder Lücken im Radnetz bestehen. 

Der Wiesbadener Brückenschlag zeigt damit einen Trend moderner Stadtentwicklung: Radverkehr wird nicht nur gefördert, sondern messbar gemacht. Die Stadt sammelt Wissen darüber, wo Menschen unterwegs sind, welche Verbindungen wichtig werden und wo Investitionen die größte Wirkung entfalten können. Daten werden so zu einem Werkzeug, um nachhaltige Mobilität nicht nur zu fordern, sondern gezielt zu gestalten. 

Quellen:
https://www.wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden/mobilitaet/radverkehr/Datenwelt-Fahrradnutzung-in-Wiesbaden
https://wiesbadenaktuell.de/2026/05/26/radverkehr-im-fokus-neue-zaehlungen-auf-drei-rheinbruecken-starten-2026/

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