„Klima-Asphalt“: Straßen kühlen Städte

Starkregenereignisse wie im Ahrtal haben gezeigt, wie verwundbar stark versiegelte Städte sind. Rund 45 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland sind vollständig versiegelt – Regenwasser kann nicht versickern und überlastet bei Extremwetter schnell die Kanalisation. Die Folgen können lebensgefährlich sein.

Ein neuer Ansatz aus der Forschung setzt genau hier an: ein sogenannter „Klima-Asphalt“, der Straßen nicht nur belastbar macht, sondern gleichzeitig mehrere Umweltprobleme lösen soll – von Überflutung über Hitze bis hin zu Mikroplastik.

Wie der Klima-Asphalt funktioniert

Der besondere Straßenbelag ist mehrschichtig aufgebaut und kombiniert verschiedene Funktionen:

  • Wasserspeicherung: Regenwasser kann durch die Oberfläche in den Asphalt eindringen und wird in darunterliegenden Schichten gespeichert.
  • Verdunstungskühlung: Das gespeicherte Wasser verdunstet langsam und entzieht der Umgebung dabei Wärme – ähnlich wie eine natürliche Klimaanlage.
  • Wärmereflexion: Eine helle, speziell entwickelte Oberfläche reflektiert Sonnenstrahlung stärker als herkömmlicher dunkler Asphalt und reduziert so die Aufheizung der Straße.
  • Filtration: Der Aufbau kann außerdem Partikel aus dem Regenwasser zurückhalten, darunter auch Reifenabrieb und damit Mikroplastik.

Je nach Ausführung kann der Belag laut Projektbeschreibungen mehr als 100 Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen und speichern.

Forschung: Temperatur sinkt messbar

Studien und Feldversuche zeigen, dass sogenannte „Cool Pavements“ oder reflektierende Asphaltvarianten die Oberflächentemperatur deutlich senken können. In Experimenten wurden Temperaturreduktionen von mehreren Grad bis hin zu rund 5–20 °C im Vergleich zu herkömmlichem Asphalt gemessen – abhängig von Material und Wetterlage.

Der entscheidende Faktor ist dabei die sogenannte Albedo, also das Rückstrahlvermögen der Oberfläche: Je heller und reflektierender der Asphalt, desto weniger Energie wird gespeichert.

Weitere Ansätze: Kühlung auch über Technik im Untergrund

Neben wasserspeichernden Belägen gibt es auch technische Alternativen: In Forschungsprojekten werden beispielsweise Rohrsysteme in Straßen integriert, durch die Wasser zirkuliert. Damit kann die Oberfläche aktiv gekühlt und im Winter sogar Wärme gespeichert werden.

Diese sogenannten hybriden Systeme zeigen, dass „intelligente Straßen“ künftig nicht nur Verkehrsflächen, sondern auch Teil der Energie- und Klimainfrastruktur sein könnten.

Mikroplastik als unterschätztes Problem

Ein zusätzlicher Vorteil moderner Asphaltkonzepte ist die mögliche Reduktion von Mikroplastik. Reifenabrieb zählt zu den größten Quellen von Mikroplastik in Städten. Wenn Regenwasser durch den Asphalt gefiltert wird, könnten Partikel zumindest teilweise zurückgehalten werden, bevor sie in Böden und Gewässer gelangen.

Allerdings ist die Forschung hier noch nicht abgeschlossen – wie effizient solche Filtersysteme langfristig sind, wird aktuell weiter untersucht.

Praxis und Grenzen

Feldversuche, etwa in Deutschland, zeigen, dass solche Beläge grundsätzlich funktionieren und auch unter realem Verkehr belastbar sein können. Gleichzeitig gibt es klare Einschränkungen:

  • höhere Bau- und Wartungskosten
  • komplexerer Straßenaufbau
  • offene Fragen zur Langzeitstabilität
  • begrenzte Wirkung bei extremen Starkregenereignissen

Hätte der Klima-Asphalt im Ahrtal geholfen?

Am Beispiel der Ahrtal-Flut wird deutlich: Der Klima-Asphalt hätte lokale Überflutungen möglicherweise abschwächen können, indem er mehr Wasser zwischenspeichert und langsamer abgibt. Bei extremen Ereignissen dieser Größenordnung hätte er die Katastrophe jedoch nicht verhindert, sondern nur begrenzt abmildern können.

Fazit: Baustein für klimaresiliente Städte

Der Klima-Asphalt ist kein Allheilmittel, aber ein vielversprechender Baustein für die Stadt der Zukunft. Er verbindet mehrere Funktionen gleichzeitig: Wassermanagement, Hitzeschutz, Lärmminderung und teilweise Umweltfiltration.

Damit zeigt er, wie Infrastruktur künftig stärker an die Folgen des Klimawandels angepasst werden kann – nicht nur durch Schutzmaßnahmen, sondern durch aktive Mitwirkung im städtischen Ökosystem.

Quellen:
https://www.youtube.com/watch?v=URIgV9gIUMs
https://weather.com/de-DE/wissen/klima/news/2022-08-03-asphalt-der-kuhlt-forscher-testen-klimafreundlichen-strassenbelag

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